Über den richtigen Schliff von Eislaufschuhen haben wir bereits in diesem Beitrag berichtet. Es hilft zwar zu wissen, dass frisch geschliffene Schuhe besser funktionieren, aber für uns Amateure ist es nicht gerade einfach bei jeder Eiszeit scharfe Kufen zu haben. Ich kenne Spieler, die sogar nur alle 20 – 25 Spiele wieder zum Schlittschuhschleifen gehen.

Der Unterschied zwischen „Stemmbogen fahren“ und Eislaufen

Natürlich haben wir alle ganz individuelle Anforderungen an die Schärfe unserer Kufen. Aber wenn die Eisen nicht geschliffen sind, kann man auch keine engen Kurven fahren und schnelle Stops machen. Dadurch verliert das eigene Spiel dann an Elan und Spritzigkeit. Und das sind zwei Eigenschaften, die beim Eishockey ja nicht ganz unwichtig für ein positives Gesamterlebnis sind.

Schliff-Update in der Kabine

Wir alle kennen Werkzeuge wie den „Magic Stick“. Sie sollen helfen den Schliff fortlaufend aufrecht zu erhalten bzw. im Notfall schnell die Klinge lauffähig zu machen. Allerdings sind die Ergebnisse des Magic Sticks eher dem Zufall überlassen, als wirklich mit dem Schliff vom Hockeyshop vergleichbar. Das liegt daran, dass er die Kufe von schräg außen umfasst und so den Grat einfach wieder aufstellt. Mich persönlich hat es nach dem Schleifen mit diesem Werkzeug schon einmal, dank Verkanten, ungebremst in die Bande befördert – ganz ohne Feindeinwirkung, dafür aber umso heftiger.

Aber, was will man von einer einfachen Lösung für gerade mal 15 – 20 Euro auch erwarten? Rettung in der Not, nicht mehr.

Nun gibt es ein neues Werkzeug, das verspricht die Nachteile des Magic Sticks auszumärzen und verlässliche Ergebnisse beim Notschleifen zu ermöglichen. Wir haben uns das Ding angesehen und in den letzten 10 Eiszeiten selbst getestet. Zur Info: der re-blade wurde uns vom Hersteller für den Test zur Verfügung gestellt.

Was ist am re-blade anders?

Der re-blade hat zwei Scharniere und umfasst die Schlittschuh-Klinge dadurch auch von beiden Seiten. Dadurch soll er einen gleichmäßigen Schliff schaffen, da der mittlere Schleifstein (Radiusstein genannt) entlang der Lauffläche auf die Klinge drückt und in Kombination mit den Außensteinen dafür sorgt, dass kein Grat an den Kanten entstehen kann.

Das Prinzip leuchtet ein und stellt auch (abgesehen von der hochwertigen Verarbeitung) den großen Unterschied zu den günstigen Lösungen dar. Dafür hat der re-blade aber auch eine stolzen Preis von ca. € 195. Wir wollten nun herausfinden, ob dieser Preis auch tatsächlich gerechtfertigt ist und was der re-blade für Hobbyspieler wirklich leisten kann.

Wer hat’s erfunden?

Entwickelt wurde der re-blade von zwei Schweizern, die mit den bisherigen Lösungen nicht zufrieden waren. Wie wir erfahren haben, wird das Werkzeug mittlerweile auch bei EBEL-Teams auf der Bank verwendet um im Notfall schnell den Schliff retten zu können.

Lieferumfang:

Der re-blade kommt eigentlich fixfertig in einer praktischen Kunststoffbox, die ihn auch im Chaos und der Feuchtigkeit einer Eishockeytasche gut schützt. Welchen Schleifstein man für die Mitte benötigt, kann man in einer Tabelle auf der Webseite von re-blade https://www.re-blade.ch/ erfahren. Allerdings hilft es, wenn man beim Hockeyshop nachfragt, mit welchem Radius die Schuhe geschliffen werden. Denn die Schleifsteine werden in insgesamt 8 Radien angeboten.

Für unseren Test haben wir einen re-blade mit allen verfügbaren Schleifsteinen erhalten und konnten deshalb auch andere Kombinationen testen. Mehr dazu weiter unten.

Kleines Manko zu Beginn: Eine Beschreibung oder Anleitung war nicht dabei. Deshalb haben wir das Werkzeug einfach „nach Gefühl und Hausverstand“ eingesetzt.

Verarbeitungsqualität:

Kurz gesagt: wie ein Schweizer Uhrwerk. Der re-blade ist aus Aluminium gefertigt und wirkt definitiv wie ein hochwertiges Stück Ingenieurskunst.

Alle Schleifsteine lassen sich danke gefederter Kugeln schnell, einfach und sauber auswechseln und sind als Verschleißteil nachbestellbar. Dadurch wird der re-blade zu einer Investition mit langfristigem Charakter.

Handhabung:

Eigentlich ganz einfach. Den re-blade einfach über die Kufe legen und ein paar Mal vor und zurückbewegen. Besonders viel Druck ist für einen gleichmäßigen Schliff nicht notwendig. Allerdings sollte man nach dem Schleifen die Klinge mit einem weichen Tuch säubern, da etwas Schleifstaub anfällt.

Das Ergebnis:

Beim Start des Tests waren meine Schuhe nicht mehr ganz frisch geschliffen. Zwischen dem Teststart und dem letzten Besuch beim Schleifdienst hatten die Schuhe schon wieder 6 Eiszeiten absolviert.

Trotzdem gelang es ohne Schwierigkeiten die leichten Unebenheiten und „Mecken“ im Schliff, die im normalen Gebrauch entstehen, mit dem re-blade zu entfernen. Außerdem wurden die Rillen, die beim Schleifen entlang der Oberseite der Klinge entstehen, viel feiner. Ob sich das auf die Geschwindigkeit beim Eislaufen auswirkt, kann ich nicht genau sagen – gefühlt ja, aber da muss ich die Mitspieler fragen :-).

Auch nach 10 Eiszeiten, vor denen ich das Werkzeug jedes Mal angewendet habe, ist der Schliff praktisch wie neu. Positiver Nebeneffekt: Die gleichbleibende Qualität des Schliffs sorgt interessanterweise dafür, dass ich mehr Vertrauen in meine Schuhe entwickelt habe. Auch das leichte „Rupfen“, von den kleinen Beschädigungen an der Klinge, das ich früher oft beim Eislaufen gespürt hatte, ist weg. Außerdem ist das Laufgefühl bei beiden Schuhen ausgeglichen, da die beiden Klingen gleichmäßig geschliffen bleiben.

Leider lässt sich der re-blade nur am geraden Teil der Klinge sauber einsetzen. An der Biegung (vorne und hinten an den Schuhen) habe ich den mittleren Schleifstein „freihändig“ eingesetzt. An diesen Stellen entsteht bei meinen Schuhen immer ein Grat, der schon Mal zum einen oder anderen Sturz/Verkanten geführt hat. Mit dem re-blade gelingt es auch diesen Grat zu entfernen.

Gerade beim schnellen Umsteigen vom Vorwärts- aufs Rückwärtslaufen fühle ich mich jetzt deutlich sicherer und mache es deshalb auch im Spiel öfter.

Es geht aber noch besser:

Die Tabelle mit den Empfehlungen auf der Webseite von re-blade https://www.re-blade.ch/konfiguration habe ich, ehrlich gesagt, erstmal nicht verstanden (Bedienungsanleitung war ja auch keine dabei). Mittlerweile interpretiere ich die dort dargestellten Zeichnungen so: wenn man den re-blade mit einem Schleifstein mit größerem Radius als die Schuhe geschliffen sind verwendet, erzielt man noch weit bessere Ergebnisse. Das heißt, die Kanten der Lauffläche werden noch schärfer.

Vor der letzten Eiszeit habe ich den re-blade dann entsprechend dieser Empfehlung eingesetzt und das Ergebnis ist beeindruckend.

Die Schuhe waren noch schärfer. Aber auf eine angenehme Art und Weise. Kein Verkanten, keine unerwünschten Überraschungen. So sicher habe ich mich zuvor noch nie beim Eislaufen gefühlt. Ob diese subjektive Wahrnehmung bestehen bleibt, muss ich in den nächsten Eiszeiten testen.

Fazit:

Für mich stellt der re-blade trotz des hohen Preises eine sinnvolle Investition dar. Immerhin kosten gute Eishockeyschuhe auch mehrere Hundert Euro und der re-blade kann durch die austauschbaren Schleifsteine über viele Jahre verwendet werden.

Es geht dabei für mich aber nicht darum, die Kosten für das Eisschuhschleifen im Hockeyshop zu reduzieren, sondern eine gleichbleibende Qualität des Schliffs aufrecht zu erhalten – diese Anforderung hat der re-blade definitiv erfüllt.