Angehende Eishockeyspieler sind groß, stark und mental unberührbar. Was sie sich in den Kopf setzen ziehen sie beinhart durch. Deshalb vergehen zwischen dem Wunsch Eishockey zu spielen und der tatsächlichen Umsetzung auch nur selten weniger als 2 Jahre (bei mir waren es sogar nur 4).

Wir kennen das Gefühl aus erster Hand. Der „Knoten“ im Bauch ist groß, die Aufregung auch. Letzte Nacht war an Schlaf nicht zu denken. Endlich ist es so weit. Die Ausrüstung ist komplett, die Schuhe sind geschliffen und ein Freund hat es tatsächlich geschafft, dich in seiner Eishockey-Runde unterzubringen. Deine erste Eiszeit findet tatsächlich statt.

Was ist wenn ich nicht gut genug bin?

Eine Frage schießt dir vermutlich ständig durch den Kopf: soll ich mich gleich beim Betreten der Kabine für mein mangelndes Können entschuldigen? Und vor allem, bei wem?

Unser Eishockey.cc-Einsteiger-Tipp:

Eishockey ist eine egozentrische Mannschaftssportart, deshalb wird sich niemand für deine im Voraus abgegebenen Entschuldigungen interessieren. Dies wirkt eher befremdlich, schon vor Spielbeginn eine Negativ-Message von sich zu geben. Es wird dir auch kaum jemand glauben, denn Tiefstapeln gehört zum Handwerk.
Merke: Stars fallen nicht vom Himmel – die werden gedraftet.

Das Betreten der Eishalle

Die Eishalle gehört für die meisten Einsteiger noch nicht zur gewohnten Umgebung. Deshalb hilft es, wenn Du gemeinsam mit einem erfahrenen Freund zur ersten Eiszeit gehst. Er kennt die Lokalität und weiß auch durch welche Tür man die Eishalle betritt (Eishallen haben meistens verwirrend viele Eingänge) und wo vermutlich die richtige Kabine zu finden ist.

Wie läuft eine Eiszeit ab?

Umziehen

Stelle deine Schläger ausserhalb der Kabine oder nahe an der Tür ab (dort wo die anderen Schläger stehen) und begrüße die anderen Spieler. Setze dich an einen freien Platz und beginne dich umzuziehen. Vergiss aber zuvor nicht noch einmal die Toilette aufzusuchen (Stichtwort: Angstlackerl).
Es hilft, wenn du die richtige Reihenfolge in der die Ausrüstung angelegt wird zu Hause schon einmal durchgespielt hast. Bei vielen Hobbypartien wird die Aufstellung der Mannschaften bereits in der Kabine festgelegt. Sollte dies nicht geschehen, dann gehe mit der gleichen Trikotfarbe, wie Dein Freund aufs Eis.

Aufs Eis gehen

Auch wenn du als erster mit dem Umziehen fertig bist, wartest du bis andere Spieler die Umkleidekabine verlassen um aufs Eis zu gehen. Folge ihnen unauffällig.
Als erstes stellst du deine Trinkflasche und deinen Ersatzschläger auf der Spielerbank ab. Welche die richtige Spielerbank ist, kannst du von den Trikotfarben der Spieler ableiten die ihre Utensilien ebenfalls dort ablegen.

Beginne nun erst ein paar langsame Runden (beinahe überall wird gegen den Uhrzeigersinn gefahren – orientiere Dich dabei an den anderen Spielern) am Eis zu drehen.

Achtung Einsteiger-Falle:

Sollten bereits Pucks auf dem Eis sein und andere Spieler damit aufwärmen, achte besonders wenn Du in der Nähe des Tores bist, auf diese Spieler. Unter keinen Umständen solltest Du vor dem Tor vorbeifahren, wenn drauf geschossen wird! Auch hinter dem Tor ist nur ein Teil deines Körpers vor Schüssen sicher. Augen auf!

Nach den ersten Runden empfiehlt es sich noch ein paar Stretching-Übungen machen. Orientiere Dich dabei einfach an den anderen Spielern.

Dann wird es Zeit für die erste Puckberührung. Hol Dir einen der Pucks, bewege Dich damit und schieße auch ein paar Mal auf das Tor. Sollte bereits ein Goalie im Tor stehen, schieße nur wenn er Dich auch ansieht! Schlagschüsse sind zu Beginn des Warm Ups tabu. Hierfür gibt es meistens beim gemeinsamen Aufwärmen des Goalies den richtigen Zeitpunkt.

Unser Eishockey.cc-Warm Up Tipp:

Sieh zu, dass Dein Freund (oder einer Deiner Mitspieler) ein paar Pässe mit Dir übt. Achte dabei mehr auf die Genauigkeit der Zuspiele als auf die Schärfe. Dadurch bekommst Du ein besseres Gefühl für den Puck und hast erste Erfolgserlebnisse auf dem Eis.
Achtung Einsteiger-Falle: Beim Pass-Empfangen gib den Schläger bereits vorher auf das Eis und nicht erst, wenn der Puck schon knapp vor dir ist. Nur dann kannst du Pucks auch annehmen!

Das kleine Karussell

Eine Übung wird beinahe bei allen Hobbytruppen zum Aufwärmen durchgeführt, das kleine Karussell.
Du erkennst den Beginn der Übung, wenn plötzlich alle Spieler Deines Teams in die Ecken neben dem Tor fahren. Suche Dir eine Ecke aus und stell Dich zu ihnen. Aber besser nicht als erster, damit Du den Ablauf beobachten kannst.
Der Ablauf ist folgender:

kleines Karussell beim Eishockey

Situation: Spielzug 1 (hellblau) Der Spieler A startet aus der oberen Ecke (1) und fährt entlang der Bande bis über die blaue Linie und zieht in einer Kurve wieder zurück Richtung Tor. Der Spieler B passt den Puck so zu Spieler A, dass dieser den Puck ungefähr auf Höhe der blauen Linie annehmen kann (2). Spieler A fährt nach der Puckannahme weiter Richtung Tor und schießt (3). Nach dem Schuss stellt er sich in der unteren Ecke an (4). Spielzug 2 (rot) Sofort nach der Passabgabe startet Spieler B selbst Richtung blauer Linie (5) und bekommt nach dem Abdrehen den Pass vom Spieler A1 (6) um anschließend auf das Tor zuzfahren und zu schießen (7) anschließen stellt er sich in der oberen Ecke an (8) usw.

Spielbeginn – Festlegung der Reihen

Kurz vor Spielbeginn werden alle Pucks in ein Tor gespielt (locker, nicht geschossen) und dort eingesammelt. Anschließend treffen sich die Spieler der Teams um abzusprechen wer vorne (=Stürmer) bzw. hinten (=Verteidiger) spielt. Bei den meisten Spielen gibt es 10 Feldspieler pro Team. Daraus ergeben sich 2 Sturm- und 2 Verteidigungslinien. Je nachdem wo Du eingeteilt wirst suchst Du Dir deine(n) Linienpartner. Mit ihm wirst Du den Rest der Partie zusammenspielen. Sehr wahrscheinlich beginnst Du in der zweiten Linie, Du kannst Dich also schon mal auf die Bank setzen.

Reihenwechsel

Hobbypartien werden meist ohne Schiedsrichter ausgetragen. Deshalb gibt es auch keine Pullies und selten Spielunterbrechungen. Die Folge ist, das die Wechsel immer „fliegend“ geschehen.
Damit das reibungslos ablaufen kann, musst Du wissen, welchen Spieler, der aktuell am Eis ist Du beim Wechsel ersetzten sollst. Wenn Du zB als rechter Flügel eingeteilt bist, kannst Du Deine Sturmpartner ruhig fragen, wer der „rechte Flügel“ am Eis ist. Beobachte diesen Spieler laufend, denn sobald er seinen Schläger hebt um einen Wechsel anzuzeigen und Richtung Bank fährt bist Du dran.
Betrete das Eis und beweg dich in Richtung der Spielfeldseite Deiner Position.

Wie lange bleibe ich in einem Shift auf dem Eis?

Während in den Profi-Ligen meist alle 40 Sekunden gewechselt wird dauern die Shifts bei Hobbymannschaften deutlich länger. Am besten orientierst Du Dich an Deinen direkten Linienpartnern. Also zB als Stürmer an den anderen Stürmern deiner Linie. Sobald Du bemerkst, dass einer davon zum Wechsel fährt nutzt Du die nächste gute Gelegenheit um selbst wechseln zu gehen. Die besten Möglichkeiten dazu hast Du meistens direkt nachdem ein Tor gefallen ist.

Zwischen den Shifts

Während Du auf der Bank sitzt ist es möglich, dass Dir Deine Reihenkollegen Tipps und Anweisungen geben. Du kannst davon ausgehen, dass es sich hierbei um gut gemeinte Ratschläge und keine Vorwürfe handelt. In den letzten 4 Jahren habe ich selbst nur einmal erlebt, dass ein Mitspieler destruktiv und ohne Verbesserungsvorschläge über unser Zusammenspiel gesprochen hat. Diesen Mitspieler habe ich aber danach nie wieder bei einem Hobbyspiel getroffen. Versuche die Empfehlungen Deiner Mitspieler beim nächsten Shift umzusetzen aber vergiss nicht, Du bist eigentlich wegen dem Spass am Spiel dabei.

Was ist wenn ich schon wieder einen Pass nicht annehmen kann?

Gerade bei den ersten Eiszeiten ist man oft von der Härte der Pässe überrascht und vor allem ist noch nicht ganz klar, wie weit Du den Schläger vor dem Körper führen musst um einen Pass zu erreichen. Das geht allen so!

Unser Eishockey.cc-Tipp:

Einsatz wird belohnt – auch wenn Du den Pass nicht immer annehmen kannst, so lange du dich bemühst werden das deine Mitspieler anerkennen und weiterhin zu dir abspielen.

Das Ende der Eiszeit

In den meisten Fällen wird der Eismeister anzeigen wann die Eiszeit zu Ende ist. Entweder pfeift er oder öffnet einfach die Tür für die Eismaschine. In manchen Hallen ertönt auch die Pausensirene als akustisches Zeichen. Nun klatschen alle Spieler gegenseitig ab und bedanken sich für das Spiel. Anschließend geht es zurück in die Kabine (vergiss nicht auf Deinen Ersatzschläger und die Trinkflasche).

Verhalten in der Dusche

In manchen Eishallen gibt es eindeutig zu wenig Duschen. Deshalb ist es in solchen Fällen üblich sich kurz abzubrausen und vor dem Einseifen wieder aus der Dusche zu treten um Platz für den nächsten Spieler zu machen. Damit auch der sich kurz abbrausen kann. Sobald Du eingeseift bist wartest Du auf den nächsten Duschwechsel und spülst Dich ab.

Achtung Einsteiger-Falle:

Sollten Frauen mit euch gespielt haben und die selbe Umkleidekabine benutzen, dann gehen die Frauen zuerst duschen. Du kannst Dir dann also etwas Zeit lassen.

It’s all about the money

Bei jeder Eiszeit gibt es einen Verantwortlichen, der das Geld von allen Spielern einkassiert um dann mit dem Eismeister abrechnen zu können. Je nach Anzahl der Spieler und dem Preis für die Eiszeit wird der Betrag pro Spieler zwischen 10,- und 16,- Euro liegen. Manchmal kommt auch noch eine freiwillige „Bierspende“ (ca. 1,- bis 2,- Euro) dazu.

Es ist geschafft – wie geht es weiter?

Du hast Deine erste Eiszeit erfolgreich absolviert! Ab sofort bist Du ein Eishockeyspieler!
Du solltest noch kurz mit dem Organisator der Runde sprechen. Meist werden die Eiszeiten per SMS oder What’s App ausgemacht. Bitte ihn Deine Telefonnummer mit in seine Liste aufzunehmen, damit Du beim nächsten Mal informiert wirst und wieder dabei sein kannst.